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Wenn Käfer bei der Sprache helfen

Sprachsommercamp begeistert Schüler, Eltern und Pädagogen

Mit seiner selbstgebastelten Akkusativkamera sucht Daniel im Grünen nach Wörtern.

In kleinen Gruppen beschäftigen sich die Kinder im Sommercamp mit der deutschen Grammatik. Wie auch Filomena und Ahmed, die von Johanna Kolbe unterstützt werden.

Osnabrück, 5. August 2015

Was hat ein Käfer eigentlich mit deutscher Grammatik zu tun? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Für die 56 Drittklässler im Sprachsommercamp 2015 allerdings eine Menge. Denn mithilfe von Erlebnissen in der Natur befassen sie sich mit der deutschen Sprache und verbessern so nicht nur ihren Wortschatz. Die Schüler aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte lernen die deutsche Sprache insgesamt besser kennen, bevor für sie das letzte Jahr vor dem Schulwechsel beginnt. In Kooperation mit der Stadt und dem Landkreis Osnabrück unterstützt die Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung das Angebot unter dem Titel „Sprache und Natur auf der Spur“ im Schullandheim Mentrup-Hagen und in der Jugendherberge Bad Iburg.

Daniel schlendert über die Wiese hinter dem Schullandheim und guckt durch ein besonderes Gerät: „Das ist eine Akkusativkamera“, erklärt er. Mit ihrer Hilfe begibt er sich auf die Suche nach Dingen, die mit der Frage nach „wen oder was?“ beantwortet werden können. Zum Beispiel: Über was laufe ich? Über einen Rasen. Diese Entdeckung wird er gleich mitnehmen in seine Gruppe, dort wird sie gemeinsam erläutert. Dann schreibt Daniel die Wörter auf einen Zettel und legt ihn in die Schachtel, die er direkt an seine selbstgebastelte Kamera aus Pappe geklebt hat. Was er im Sprachsommercamp am besten findet? „Dass wir jeden Tag in den Wald gehen“, antwortet Daniel. Und natürlich die neuen Freunde, die er gefunden hat. Nach eineinhalb Wochen habe er schon erste Erfolge festgestellt. „Mit den Artikeln, das konnte ich bisher nicht so gut. Jetzt ist es besser geworden“, sagt der Sohn russischer Eltern, bevor er zurück geht in die kleine Holzhütte. Dort beschäftigt sich Daniel gemeinsam mit drei anderen Kindern mit der deutschen Grammatik.

„Die Kinder befassen sich hier in entspannter Atmosphäre ganz spielerisch mit der deutschen Sprache. Türöffner sind dabei Erlebnisse in der Natur. Und so lernen sie zugleich die Natur besser verstehen“, erläutert Michael Prior, der Geschäftsführer der Bohnenkamp-Stiftung, das Konzept des Angebots. Gaby Grosser bezeichnet es als Projektleiterin von der Stadt Osnabrück als „Rundum-Sorglos-Paket“ für die Kinder und ihre Eltern. Zwei Wochen lang leben Drittklässler aus der Stadt Osnabrück und dem Landkreis im Sommercamp. Nachmittags beschäftigen sie sich in der Natur mit Käfern oder Lebensräumen wie dem Bach. Dort werden Impulse gesetzt für den Sprachunterricht am kommenden Vormittag. Vier Stunden täglich setzen sich die Kinder dann mit den neuen Wörtern und ihrer Bedeutung auseinander – dafür lesen sie auch Bücher. Wie Filomena und Ahmed, die sehr flüssig den anderen zwei Kindern ihrer Gruppe aus dem Buch „Der Ruf der Delfine“ vorlesen. „Es ist unser zweites Buch im Sommercamp“, sagt Filomena stolz und Johanna Kolbe ergänzt: „Die Betreuer lesen es abends auch mit den Kindern“, sagt die angehende Lehrerin. Künftige Lehrer und auch Erzieher von den Evangelischen Fachschulen für Sozialpädagogik und Heilpädagogik Osnabrück helfen den Drittklässlern beim Lernen und sammeln im Sommercamp Erfahrungen für ihren Beruf.

Dieses Jahr wird das Sprachsommercamp zum siebten Mal angeboten, das federführend vom Verein zur pädagogischen Arbeit mit Kindern aus Zuwandererfamilien (VPAK) umgesetzt wird. Zwölf junge Teilnehmer sind erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen, darunter fünf Flüchtlingskinder. „Wir haben ein eigenes Konzept für Sprachanfänger entwickelt“, betont Werner Hülsmann, der Integrationsbeauftragte des Landkreises Osnabrück. Das Konzept des Sommercamps sei durchgehend nachgebessert worden, um die Qualität zu halten. Manche Angebote hingegen werden deshalb immer wieder eingeflochten. Wie der Text, den jeder Teilnehmer am Ende schreibt. Der enthält die im Camp kennengelernten Begriffe und hilft somit, sich ihre Bedeutung einzuprägen, damit das Sommercamp dauerhaft Erfolge zeigt. Elena Rosenblum hat dieses Jahr ihren Sohn Jonathan ins Sprachsommercamp geschickt. Der hätte im vergangenen Jahr am liebsten seine ältere Schwester begleitet. „Janette ist eigentlich sehr schüchtern. Durch das Sommercamp ist sie viel selbstbewusster geworden. Bis heute trifft sie sich außerdem mit den Freundinnen, die sie hier kennengelernt hat“, sagt die Mutter.

 

Medienkontakt: Dr. Marie-Luise Braun, Tel. 0541. 68 53 336, presse(at)bohnenkamp-stiftung.de